Von Mondarchitekten und Arbeitslandschaften

Fotos © Uwe Schoßig

Wie stellen Sie sich ihre berufliche Zukunft so in 20 bis 30 Jahren vor? Sehen Sie sich dann noch am Schreibtisch sitzen (Achtung: Sitzen ist das neue rauchen!) oder absolvieren Sie vielmehr ihren täglichen Sport auf dem Büro-Laufband während ihre Gedanken erfasst und auf einem Arbeitsserver abgelegt werden? Und wird dann noch für die Erde gebaut oder vielmehr für Mond oder Mars? Mit diesen Fragen eröffnete ich den „10. Mitteldeutschen Architektentag“ im Industriemuseum Chemnitz (www.aksachsen.org) unter dem Motto „Neue Arbeitswelten – Architekt 4.0.“

Mit 10 anzukündigenden Vorträgen, zwei Podiumsdiskussionen sowie Resümee und Ausblick war dieser Moderationstag nicht nur pickepackevoll, sondern auch herausfordernd. Und genau das hat Spaß gemacht, denn wann sonst bekommt man so viel kompaktes Wissen über Mega-Trends, Digitalisierung, moderne Mobilität und Vernetzung, Zukunft des Bauens und Wohnens, Transformation in die „Next Generation“, smart City und smarte Technologien oder „Wirtschaft und Gesellschaft 4.0“ geboten? Was für eine besondere Freude auch, eine Referentin anzukündigen, die Weltraumarchitektin ist und sich seit Jahren mit Leben und Arbeiten jenseits des Erdhorizontes befasst. Und immerhin, wir sind ja umgeben vom Universum und es braucht mit einem Spaceshuttle nur an die 10 Minuten und schon ist man im All. Das geht also schneller als zwischen Bahnhof Zoo und Kanzleramt. Daher die Frage: Wie muss ich denken, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können – gerade wenn ich Mittelständler oder Solo-Freischaffender bin und keine große Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit Profi-Visionären habe? Nun, es gilt zu kapieren, dass in Zukunft letztlich alle Dinge zum datensammelnden PC werden und entsprechend ausgewertet oder ausgenutzt werden können. Wobei wir damit wieder beim „Datenschutz“ wären, den nur ein Buchstabe vom „Datenschatz“ unterscheidet. ABER: Schnüffelsensoren in meiner Heizungsanlage oder im Lichtschalter, im Kühlschrank oder im WC – nein, einen digitalen „Horch & Guck“ möchte ich nicht in meinem Zuhause haben. Die technischen Möglichkeiten sind nicht sehr weit davon entfernt und das Begehren, mich über Nutzungs- und Verbrauchsverhalten auszuspähen und profilbildend einzuordnen, ist schon derzeit erlebbar. Denken Sie nur an „Menschen, die wie Sie dieses Buch gekauft haben, interessieren sich auch für … “.

Deshalb muss man nicht gleich zum analogen Einsiedler werden. Aber nur „Klick-and-Go“-Kompetenzen reichen nicht. Es braucht Realitätsbewusstsein über das weltweit entstehende Datennervensystem, das beginnt, uns zu steuern und im Umgang damit braucht es Klarheit und Orientierung, was von all dem ich wirklich will. Die Hoheit über meine eigenen Daten sollte mit an erster Stelle stehen. Das gilt auch für „Architekten 4.0“, in deren Arbeitswelt das Verschmelzen von Mensch und Technologie ebenso wie in anderen Branchen rasant voranschreitet. Selbstproduzierende Hausroboter, autonom fahrende Vehikel, lernende Maschinen und der Mensch nur noch als Cyborg – das ist wie ein guter Film. Spannend, aber auch Furcht einflößend. Und „The End“ – die Rückkehr in meine menschliche Normalität kann eine erleichternde Erlösung sein.