Schlossgespräche

So etwas hatte ich bislang auch noch nicht erlebt, dass ein Gesprächspartner mitten im Interview aufspringt und sich als Alpha-Affe gebärdet. Aber mit einem Schauspieler kann genau das passieren. Schon zum zweiten Mal moderierte ich Anfang April in des Königs Wusterhausen die Schlossgespräche. Nachdem Ende 2016 Ulrich Matthes -gleichermaßen amüsant wie intellektuell anregend- mein Gast war (http://www.maz-online.de/Lokales/Dahme-Spreewald/Auftakt-der-Schlossgespraeche), plauderte ich diesmal mit Ronald Zehrfeld, aktuell in der Film- und Fernsehlandschaft einer der präsentesten Schauspieler. Erst jüngst beeindruckte er im Zweiteiler “Landgericht” als jüdischen Richter und erzählte dessen Schicksal von 1933 bis in die 60er Jahre. Bekannt ist Zehrfeld aber auch aus der Serie “Weissensee”, in der es um eine Familiengeschichte zu DDR-Zeiten geht zwischen Staatstreue und Opposition oder von dem Drama “Barbara”, in dem er einen DDR-Arzt spielt. Viel beachtet wurde zudem seine Rolle als Polizist Sven Lottner in der Serie “Im Angesicht des Verbrechens” von Dominik Graf (der ihn übrigens für das Filmgeschäft entdeckte), wo Zehrfeld frech posaunt: “Ich bin Ossi, ich kann alles!” – was durchaus seiner Haltung entspricht. Zehrfeld wurde in der DDR sozialisiert und fühlt sich noch heute im Kreis seiner Ost-Freunde wohler und menschlich geborgener als in so mancher Wessi-Runde, was dann auch nach der Veranstaltung im Weinladen von KW feuchtfröhlich mitzuerleben war. Tatsächlich hätte vieles aus ihm werden können. Mit fünf Jahren wurde er in der DDR für den Leistungsport (Judo) entdeckt, gefolgt von wilden Wende-Jahren in Berlin-Treptow und bevor es dann an die renommierte Schauspielschule “Ernst Busch” ging, immatrikulierte er sich für ein Germanistikstudium an der Humboldt-Uni mit der Perspektive, Lehrer zu werden. Diese Pläne wurden aber durch einen Theaterworkshop in Spanien durchkreuzt, wo der Knoten platzte und er sein Talent und seine Wandlungsfähigkeit unter anderem beim Spielen von Gorillas oder Faultieren entdeckte. Vieles ließe sich noch berichten zum Beispiel über seine Zeit am “Deutschen Theater” mit Peter Zadek oder am “Berliner Ensemble” mit Claus Peymann, aber das steht ja auch bei Wikipedia. Für das Publikum jedenfalls wurde das Schlossgespräch erneut zu einem unvergesslichen Abend zwischen Spaß und Nachdenklichkeit. http://www.koenigs-wusterhausen.de/834745/Schlossgespraech-2017