Politik-Talk zum „Deutschen Schmerzkongress“

Fotos © Holger Peters

„Wenn sie beginnt, setzt alles andere aus… “ – so beschreiben Betroffene diese Krankheit: Migräne. Allein in Deutschland leiden ca. 12 Millionen Menschen daran und täglich sind dadurch an die 100.000 Betroffene arbeitsunfähig. Migräne verursacht persönliches Leid und belastet zudem die Volkswirtschaft durch Arbeitsausfälle und Wertschöpfungsverluste. Und obwohl Migräne eine schwerwiegende Volkskrankheit ist, fristet sie ein Schattendasein. Nicht zuletzt führen Unwissenheit und Unverständnis oft zu einem sozialen Stigma, wenn Migräne als „Ausrede” oder “Verweigerungshaltung” abgewertet wird. Um diese Situation zu verbessern, bedarf es einer breiteren und besseren Aufklärung, was sich der Politik-Talk unter der Überschrift „Unsichtbar, unverstanden, ungelöst – Folgen der Krankheit Migräne für Gesellschaft, Wirtschaft und den Einzelnen“, den ich in Mannheim moderieren durfte, zum Ziel gesetzt hat.

Zunächst schilderte Lucia Gnant, Präsidentin der MigräneLiga e.V. und selbst betroffen, aus der Perspektive der Patientinnen und Patienten wie sich diese Erkrankung anfühlt und welche Unterstützung es gibt. Danach berichtete der Kopfschmerzexperte Prof. Dr. Uwe Reuter von der Charité Berlin über das Krankheitsbild und die teils mangelhafte Versorgungssituation sowie verschiedene Therapieoptionen und welche Begleiterscheinungen es gibt wie zum Beispiel Depression und Angststörungen.

Aufschlussreich waren auch die Zahlen und Fakten, die Martin Bierbaum von Novartis präsentierte, zu den Auswirkungen von Migräne auf die Volkswirtschaft. Aus einer aktuellen Studie des WifOR-Instituts geht hervor, dass die durch Migräne verlorene Arbeitszeit die deutsche Volkswirtschaft im Zeitraum von 2017 bis 2029 mit etwa 1,95 Billionen Euro belastet. Das entspricht mehr als der Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus dem Jahr 2016.

Nicht zuletzt verursacht Migräne mangels guter Prophylaxe auch Kosten innerhalb des Gesundheitssystems.

Auch die sozialen Folgen sind enorm. Patienten, die an schwerer Migräne leiden – das heißt, sie befinden sich an mindestens 15 Tagen im Monat in der Vorphase oder der akuten Phase einer Migräneattacke können keine Freunde treffen, nicht ins Theater oder Fußballstadion gehen, sich nicht mit ihren Familien beschäftigen. Kurzum: Sie können kaum noch ein normales Leben führen. Über die Hälfte der Eltern berichten, sie stritten sich wegen der Migräne häufiger mit ihren Kindern.

Und generell müssen Betroffene befürchten wegen der hohen Anzahl an Krankheitstagen, mittelfristig ihre Arbeitsstelle zu verlieren.

Die Diskussion drehte sich deshalb vor allem um die Frage, wie sich die Situation von Migräne-Patienten in Beruf und Privatleben verbessern lässt.
Die gute Nachricht ist, durch das eigene Verhalten lassen sich Migräneattacken zumindest eindämmen (z.B. regelmäßig Essen, viel Bewegung, ausreichend Schlaf, Entspannung statt Stress) und es gibt neue Medikamente, die eine gute Wirkung erzielen.

Dennoch muss Migräne in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit bekommen und hier reicht ein Politik-Talk alleine noch nicht aus.

www.migraeneliga.de