Moderation Verleihung des „Kulturpreises Deutsche Sprache“

Foto: Jörg Lantelme

 

Kunstvolle Spuren in den Schnee der Sprache pinkeln

 

Auch in diesem Jahr war es mir wieder eine ganz besondere Freude als Moderatorin durch die Verleihung des „Kulturpreises Deutsche Sprache“ zu führen, der bereits zum 18. Mal vergeben wurde. Der Preis ist dreigeteilt und Höhepunkt des Nachmittags in Kassel war natürlich die Übergabe des mit 30.000 Euro dotierten „Jacob-Grimm-Preises“ an die Fantastischen Vier“ für deren Verdienste um den deutschsprachigen Hip-Hop. Oder wie es der Komiker und hier Laudator Michael Mittermeier, der sich selber als „Text-Arbeiter im Untertagebau des Humors“ beschreibt und auf den zum Beispiel die Wortschöpfung „Arschgeweih“ (alias „Schlampenstempel“) zurückgeht, pointierte formulierte: „Von einer Musikgruppe aus dem Schwabenland sei wohl nichts anderes zu erwarten als dass diese… am Gsang spare“.

Besagten Preis bekamen übrigens auch schon Udo Lindenberg, Cornelia Funke, Loriot, Ulrich Tukur, Dieter Nuhr, Prinz Asfa-Wossen Asserate, Katharina Thalbach oder Norbert Lammert.

Als „ausgezeichnet“ ausgezeichnet wurde dann mit dem „Initiativpreis Deutsche Sprache“ und somit 5.000 Euro die Kampagne „Sprechen Sie lieber mit Ihrem Kind“ des Netzwerks „Frühe Hilfen“ des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Frankfurt am Main, die möchte, dass Mütter und Väter wieder offene Ohren und einen freien Blick für ihren Nachwuchs haben statt nur für ihre Handys. Denn füreinander mit ausgewählten Worten da zu sein und miteinander zu sprechen sind für gesunde Beziehungen und Entwicklungen überlebensnotwendig. Dabei geht es nicht um eine Verteufelung der Mobiltelefone, sondern vielmehr um einen bewussten Umgang damit und um Zeiten ohne.

Nicht zuletzt wurde in Kassel auch noch der „Institutionenpreis Deutsche Sprache“ an das  Bundessprachenamt vergeben, das dem Verteidigungsministerium zugeordnet ist und sich seit 50 Jahren als sprachlicher Dienstleister um Sprachbildung, Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz bemüht.

Was mich in meiner Moderation zu der Frage bewegte: Was haben eigentlich die Bundeswehr und die „Sendung mit der Maus“ gemeinsam? Etwa die Bekleidung bzw. das äußere Erscheinungsbild in Tarnfarben? Oder eine hohe Vermittlungsbereitschaft, um Defizite aus dem Schulsystem auszugleichen wie die Beherrschung von Grammatik und Rechtschreibung? Oder den Willen, nicht auf Befehlston und Kommandosprache reduziert zu sein? Wäre alles denkbar… Gemeint war allerdings, dass nun beide Träger des Institutionenpreises Deutsche Sprachesind.

Tatsache ist: Schlagkräftige Sätze können Wortkanonen sein. Das Horten von Sprachschätzen eine treffende Munition für den passenden Moment sogar, um Frieden zu stiften. Und auch das Ansammeln von Formulierungskraft kann der zielsicheren Selbstverteidigung im Ernstfall dienen.

Als ich so über die Preisträger und deren Laudatoren nachdachte, da kam mir der Gedanke: „Kann es sein, dass eine achtsam gewählte Sprache und ein gutes Leben miteinander zusammenhängen?

Zunächst war das nur eine Hypothese, die Belege und Beweise braucht. Insofern war die diesjährige Preisverleihung für mich auch wie ein Gang durch ein Forschungslabor und ich betrachtete aufmerksam die sich präsentierenden Geschöpfe – sowohl die verbalen, also die Wort-Geschöpfe als auch die biologischen. Am Ende war ich mir ziemlich sicher, dass ein gutes Leben und eine gewählte Sprache zusammenhängen. Allerdings: Kunstvolle Spuren in den Schnee der Sprache zu pinkeln, will erlernt sein und bedarf der Übung.

Mehr dazu über die Links: https://kulturpreis-deutsche-sprache.de/

https://vds-ev.de/service-view/kulturpreis-deutsche-sprache/