Moderation der Schlossgespräche

Moderation der Schlossgespräche

mit Schauspieler Henry Hübchen

Soviel vornweg: Es war ein äußerst amüsanter Abend, aber ein einfacher Gast war er nicht. Sein Alter und Auftritt schwankten chamäleongleich zwischen 20 und 90 Jahren, mal gab er den rüstigen Rentner mit Miesepetergesicht, mal den unbedarften jungen Schelm. Henry Hübchen, Jahrgang 1947, aktuell also 72 Jahre alt. Die sieht man ihm aber nicht an, denn mit seinem intensiven Blick und dem vollen Haarschopf strahlt er vielmehr aus, dass er noch einiges vom Leben erwartet und auch vom Gegenüber, das sich heranwagt, ihn anzusprechen und auszufragen. Ok, dann also auf in`s Wortgefecht: Begonnen habe ich den Abend damit, dass er etwas mit Kanzlerin Merkel gemeinsam habe. Auch Hübchen hat mal Physik studiert, dieses Studium dann allerdings abgebrochen. Sein Weg zum Schauspieler sei eher mühelos gewesen, wie im Vorübergehen sei es passiert. „Da kam eben jemand in die Schule und da habe man ihn gefragt, ob er nicht in einem Film mitspielen wolle“, erzählt Hübchen, „und das war dann eben 1965 eine kleine Nebenrolle im ersten DEFA-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“. Ein wunderbarer Spaß war das und hübsche Frauen waren auch am Set, also absolvierte Hübchen alsbald eine Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Ost-Berlin. Er wurde einer der profiliertesten Schauspieler der DDR und bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Theaterregisseur Frank Castorf an der Berliner Volksbühne. Dort habe man noch richtig Zeit gehabt, ein Stück und eine Rolle zu entwickeln. Es sei nicht nur um das Auswendiglernen und Runterspulen von Text gegangen. Noch in der DDR spielte er auch in dem Film „Jakob der Lügner“ nach dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker. Und wenn man ihm so zuhört und auch nach seinem Leben in der DDR befragt, dann kommt man nicht umhin, das Gefühl zu haben, dass er überall irgendwie gut durchgekommen ist. Zwar mit wachem Geist und klarem Verstand, aber dennoch nie in Opposition oder Rebellion. So hat der nur 175cm große Hübchen in seinem bisherigen Leben in hunderten Produktionen für Theater, Film und Fernsehen mitgespielt und hat manchmal in einem Jahr bis zu drei Filme gedreht, darunter etliche Folgen des „Polizeiruf 110“.

Und weil er auch gern auf seiner Gitarre vor sich hin schrumpelte, kam es dazu, dass sich die Band “City” für seine Lieder interessierte (z.B. den Hit „Casablanca“) und sportlich war er auch noch, wurde Anfang der 1980er-Jahre DDR-Meister im „Brettsegeln“ (Windsurfen).

Dennoch steht auf seinen Webseiten unter der Rubrik „Fähigkeiten“ schlichtweg nichts. Und darauf angesprochen, guckt er mich pikiert-ironisch an und meint trocken, es sei ja wohl ziemlich blöd sich wie ein Pferd auf dem Markt zu präsentieren, dem man in`s Maul schaut und unter die Hufen. Da mache er nicht mit. Trotz (oder gerade wegen?) dieser Vermarktungsverweigerung gehört er zu den Schauspielern, die sich ihre Rollen aussuchen können. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen die Komödie „Ein Mann für jede Tonart“, „Der Schattenmann“ und „Der König von St. Pauli“ sowie die Kinofilme „Sonnenallee“ und „Alles auf Zucker“. Neben vielen anderen Preisen und Auszeichnungen wurde er dafür als bester männlicher Schauspieler in einer Hauptrolle mit dem Deutschen Filmpreis geehrt. Schauspielerische Glanzleistungen erbrachte Henry Hübchen gemeinsam mit der herausragenden Dagmar Manzel, aber auch mit Uwe Ochsenknecht oder Katja Riemann. Naja, und auch bei den Schlossgesprächen mit mir amüsierte er sein Publikum bestens.