Bertha Benz 170. Geburtstag und 75. Todestag

Visionen, die die Welt verändern

Als Bertha Benz über die Zukunft der Mobilität nachdachte, ging man gemeinhin noch zu Fuß, machte -für uns heute überschaubare- „Fernreisen“ mit dem Pferd etwa von Berlin nach Brandenburg und wer ganz modern war und in den Augen der meisten Betrachter durchaus verrückt, ja lebensmüde, nutze die fauchende Eisenbahn. Wobei die Bahnhöfe seinerzeit übrigens „Einsteigeschuppen“ genannt wurden und ebenso aussahen.
Dennoch träumte in diesem zuende gehenden 19. Jahrhundert der geniale Tüftler und Ingenieur Carl Benz von einem wie von selbst fahrenden Motorwagen, auch „pferdelose Kutsche“ gebannt und späterhin „Automobil“.
Die Motorisierung lag irgendwie in der Luft und nicht weit von Carl und Bertha Benz entfernt, die in Mannheim werkelten, experimentierte Gottlieb Daimler auch daran. Wobei der Unterschied zwischen den beiden darin bestand, dass Daimler versuchte, leistungsstarke Motoren unter bekannte Transportmittel wie Boote oder Anhänger zu setzen, während Benz eine vollkommen neue Gesamtlösung anstrebte, für die er 1886 schließlich als erster Mensch weltweit das Patent bekam und deshalb als der Erfinder des Motorwagens gelten darf.
Einfach war das alles nicht. Die Benzens erlebten mehrfach Pleiten und Rückschläge und hätte Carl nicht die starke Bertha an seiner Seite gehabt, wäre er wahrscheinlich gescheitert.
Sie war es auch, die 1888 den unfassbaren Mut hatte, eine erste Fernfahrt weltweit zu wagen, weil sich das Automobil einfach nicht gut verlaufen ließ. Sie wollte zeigen, dass es funktionierte und man mit einem solchen Wagen über Mannheim hinaus an einem einzigen Tag einhundert Kilometer weit bis nach Pforzheim (ihre Heimat) fahren kann. Das alles ohne ausgebaute Straßen, ohne Tankstellen und ohne ADAC. Pannenhilfe hat sie einfach selber gemacht mit Strumpfband und Haarnadeln. Mehr zu diesem großartigen Abenteuer, bei dem die Menschen dachten, der Teufel käme, um sie mit seinem puffenden und stinkenden Gefährt in die Hölle zu holen und Wissenschaftler grübelten, ab welcher Geschwindigkeit der Mensch platzen kann, ist in meinem Buch „Mein Traum ist länger als die Nacht“ zu erfahren, in dem es letztlich darum geht wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr.
Eine bewegende Lebensgeschichte einer Frau, die 95 Jahre alt wurde und bedeutende Jahre deutscher Geschichte erlebte von 1849 bis 1944 und die immer wieder gegen Hürden und Widerstände anarbeitete, ohne sich dabei wichtig zu machen. Sie war -ganz nebenbei- auch Mutter von fünf Kindern. Wer sich also für anregende Inspirationen und gelebte Standhaftigkeit interessiert, für Erfolgsrezepte oder gelingende Innovationsprozesse, dem sei das Buch ans Herz gelegt.
Bertha Benz wäre am 3. Mai 170 Jahre alt geworden und am 5. Mai ist ihr 75. Todestag.
Im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart wird daher an diesem Wochenende auch das bezaubernde Live-Hörspiel „Mein Traum ist länger als die Nacht“ (faszinierend auch für Kinder) mehrfach aufgeführt.
Es zeigt nicht zuletzt, wie auch ein erster Mann im Staat furchtbar irren kann, meinte doch der deutsche Kaiser in dieser Zeit „Wer braucht schon ein Automobil, wo wir doch Pferde haben.“
Nunja, heute haben wir wohl eher zu viele Motorwagen, die den Innenstädten lebendige Atmosphäre rauben und nervige Staus verursachen. Zeit also, neue Träume zu wagen.

 

Mein Traum ist länger als die Nacht

Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr

Mein Traum ist länger als die Nacht

Eine außergewöhnliche Frau an der Seite eines großen deutschen Erfinders Er hat das Wissen, sie ist die treibende Kraft. Wenn er verzweifelt, drängt sie vorwärts: Bertha Benz. Die erste Frau der Welt, die sich wagemutig in einen neu entwickelten, pferdelosen Straßenwagen setzt und losfährt. Angela Elis erzählt die Lebensgeschichte der beiden Autopioniere: lebendig, klug und unterhaltsam. Die erste Begegnung mit Carl Benz verändert ihr Leben. Bertha Ringer verlässt ihr gutbürgerliches Elternhaus und tauscht es gegen ein beschwerliches Leben auf dem Fabrikgelände. Ihr gesamtes Erbe gibt sie ihm, damit er seine Lebensträume verwirklichen kann. Waren es auch ihre? Die Biographie von Bertha und Carl Benz ist eine außerordentliche deutsche Geschichte, die in den Revolutionsjahren des 19. Jahrhunderts beginnt, von den Errungenschaften der Industrialisierung und der Beschleunigung des Lebens erzählt und im Zweiten Weltkrieg tragisch endet. Aber mehr noch ist es die Geschichte einer Liebe, in der Träume stärker sind als die Realität und deshalb alle Nächte des Zweifels überdauern.