Blog EsRAM Veranstaltung

Quellenangabe ©Frank Nürnberger

Handlungsoptionen für die Zukunft

Wenn etwas schief läuft, ist es ratsam nach Alternativen zu suchen. So auch in der Nahrungsmittelproduktion, konkret Geflügelwirtschaft. Vermutlich kennen alle die erschreckenden Bilder der Massentierhaltung und der maschinellen Schlachtungen im Sekundentakt. Ein anderes großes Thema ist aber auch die Vergabe von Antibiotika.

Dazu wurde ein über zwei Jahre andauerndes Forschungsprojekt vom BMEL aufgesetzt mit dem Namen „EsRAM“, bei dem anhand des ganzen Lebensweges vom Ei zum geschlachteten Huhn nachvollzogen werden sollte, wann sich welche Keime unter welchen Umständen entwickeln und wie man möglichst die Gabe von Antibiotika vermeiden kann.

Ich war in diesem Zusammenhang von der Freien Universität Berlin eingeladen, zum Abschluss des Projektes eine Podiumsdiskussion zu moderieren mit der Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann und Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär a. D. und Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. und damit sozusagen Cheflobbyist solcher Multimilliarden-Unternehmen wie Wiesenhof, Rotkötter (Aldi/Lidl) und Heidemark (Fam. Kevelage). Von wissenschaftlicher Seite brachten sich Prof. Dr. Karsten Nöckler vom “Bundesinstitut für Risikobewertung” ein sowie Prof. Dr. Uwe Rösler, der wissenschaftlicher Leiter von “EsRAM” und Professor für Tierhygiene und Infektiologie im „Zentrum für Infektionsmedizin des Fachbereichs Veterinärmedizin“ an der FU Berlin. Es war eine durchaus herausfordernde Diskussion, bei der man manchmal den Eindruck hatte, dass der schwarze Peter von einem zum anderen geschoben wird. Wer ist Verursacher? Die Industrie, weil sie möglichst preiswert produzieren will? Der Verbraucher, weil er Geiz geil findet? Die Chefeinkäufer der Supermärkte, weil sie es billig haben wollen und die Preise drücken? Oder die Politik, weil es ihr an Gestaltungswille und Durchsetzungskraft mangelt und sie nicht die entsprechenden Gesetze und Verbote verfasst. Dabei muss natürlich auch bedacht werden, dass Deutschland kein abgeschiedener Inselstaat ist, sondern auch im Wettbewerb steht mit Nachbarländern oder anderen Kontinenten. Im Zweifelsfall wandern Betriebe, wenn die Auflagen zu hart werden, dann über die Grenze oder lassen in Afrika produzieren. Es gibt also etliche Zielkonflikte zwischen Tierwohl, Umweltschutz, Verbrauchern und Wirtschaft. Dennoch zog der wissenschaftliche Leiter, Prof. Rösler, am Ende die Bilanz, dass eine Optimierung der Haltungsbedingungen und verbesserte Hygiene- und Schutzmaßnahmen im Vorfeld wichtige Maßnahmen sind, die die Gabe von Antibiotika verringern. Für mich blieb am Ende die Frage, ob es ausreicht, etwas “weniger falsch” zu machen oder es nicht besser wäre, es gleich “ganz richtig” anzugehen!?!