Moderation mit der Bundeskanzlerin und dem chinesischen Ministerpräsidenten

Fotos © Mehmet Dedeoğlu

So eine Moderation für und mit der Bundeskanzlerin zählt ganz sicher zu den Höhepunkten dessen, was ich im Laufe eines Jahres leisten darf. Immerhin ist Angela Merkel nicht nur seit über 12 Jahren Regierungschefin von Deutschland, sondern sie steht auch seit vielen Jahren auf dem ersten Platz der 100 mächtigsten Frauen der Welt und gehört laut „Time“-Magazin zu den Personen, die aktuell die Welt am meisten prägen.
So wundert es nicht, dass nachdem in den USA derzeit ein peinlicher Kasper Präsident spielt, die Kanzlerin sich China zuwendet, der anderen Weltmacht in Richtung Osten, die immerhin Deutschlands größter Wirtschaftspartner ist und Deutschland wiederum ist der größte Handelspartner von China in Europa.
Wenn alte Bündnisse nicht mehr tragen, gilt es neue Allianzen zu schmieden. Und weil es Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft dabei einfacher haben als die Politik, gemeinsame Interessen und eine gemeinsame Sprache zu finden, eignete sich das „Deutsch-Chinesisches Forum“ hervorragend, um weitere Brücken über die Kontinente hinweg zu bauen. So startete der Tag unter dem Motto „Innovation, Gemeinsam Gestalten!“ zunächst mit dem Austausch zwischen der Bundesbildungs- und Forschungsministerin, Johanna Wanka (Mathematikerin), und dem chinesischen Minister für „Wissenschaft und Technologie“, Wan Gang (Automobilingenieur), der interessanterweise seit 35 Jahren der erste Minister ist, der nicht der Kommunistischen Partei, sondern einer Blockpartei angehört.

„Bildung, Wissen und Einfallsreichtum“ – das war schon immer ein gutes Trio für alle, die es weit bringen wollten. Schon im Mittelalter waren es neben den Seefahrern vor allem die Gelehrten, die aufgrund ihrer umfassenden Kenntnisse Zugang zum chinesischen Kaiserhof bekamen oder die erkannten, so wie zum Beispiel späterhin Gottfried Wilhelm Leibniz, welchen enormen Nutzwert der wissenschaftlich-kulturelle Austausch haben kann. In unserer global orientierten und schnelllebigen Zeit gilt das mehr denn je – wer im rasanten Wandel mithalten will, muss bestens informiert sein und zugleich offen für Neues und kann nur dann tragfähige (Geschäfts-)Beziehungen pflegen, wenn es fair und vertrauensvoll zugeht. Hier gibt es im deutsch-chinesischen Zusammengang natürlich einige Bewährungsproben zu bewältigen (s. Schutz von Erfindungen und Ideenklau). Die Chancen und Herausforderungen der Deutsch-Chinesischen Zusammenarbeit bei Forschung und Innovation wurden dann auch aus der Sicht beider Länder beleuchtet, zunächst durch Prof. Dieter Spath, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und dann von Prof. Zhong Zhihua, Präsident der „Tongji-Universität“. Gekrönt wurde die Veranstaltung dann durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (Physikerin) und dem etwas merkwürdig dozierenden Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Li Keqiang, der im Juni 1989 als es in Peking zu Unruhen und dem „Tian’anmen-Massaker“ kam in China bereits ein hoher Funktionär war.
Dennoch, die globalen Herausforderungen sind so groß, schaut man allein auf Klima und Umwelt, Megacities und Mobilität oder Energie- und Wasserversorgung und der Anspruch Deutschlands an die Weltgemeinschaft und hier konkret an China hoch. Geht es doch darum, gemeinsam innovative Lösungen zu finden für ein nachhaltiges, innovationsgetriebenes Wachstum zum Nutzen aller. Da ist eine strategische Partnerschaft in gemeinsamer Verantwortung der politisch mögliche Weg trotz aller Unterschiedlichkeit.