Mein Traum ist länger als die Nacht

Fotos © Stephan Haase

Unvorstellbar in Zeiten des Allzeit-Geblubbers und Milliarden von Belanglos-Bildern, die sekündlich ins Netz eingestellt werden – wir haben ganz und gar vergessen auch nur ein einziges Foto zu machen von der wunderbaren Premiere des Live-Hörspiels „Mein Traum ist länger als die Nacht“, in dem es um die aufregende Lebensgeschichte von Bertha und Carl Benz geht. Beide haben am Ende des 19. Jahrhunderts -als man gemeinhin noch zu Fuß ging und sich die Straße mit Hühnern und Ziegen teilte oder mit der Pferdekutsche über Land fuhr und wenn es hoch kam mit der Eisenbahn- das wie von selbst fahrende Gefährt erfunden, später Automobil und noch später kurz „Auto“ genannt. In ganz bezaubernder Manier hat die Mannschaft des Studio-Theaters Stuttgart jetzt das von mir geschrieben Buch (www.hoffmann-und-campe.de) auf die Bühne gebracht als eine Mischung aus Schauspiel in verteilten Rollen und dazu erzeugen die Spieler selbst auf kreativste Art und Weise die Geräusche.

Das Stück zeigt über die Erlebnisse von Bertha und Carl Benz hinausgehend auch die zeitlosen Inhalte wie das Getriebensein durch ein immer „Schneller, Höher, Weiter“, das mit der Industrialisierung und Mobilisierung in die Welt kam. Es handelt von den Hürden des Erfindens und Bürden des Durchsetzens, vom Scheitern und unermüdlichen Wieder-Aufstehen, wenn eine Vision gelebt werden will. Es reflektiert über die auch damals schon aktuellen Finanzspekulationen und deren Folgen und handelt natürlich auch von den alltäglichen Abenteuern mit dem fauchenden Ungetüm und der sensationellen Fernfahrt, die Bertha Benz 1888 mit ihren Söhnen von Mannheim nach Pforzheim wagte, um zu beweisen, dass das Ding fahrtauglich war, auch wenn es seinerzeit weder Tankstellen noch ADAC oder richtige Straßen für so ein Fahrzeug gab und die Wissenschaft darüber debattierte, ab welcher Geschwindigkeit der Mensch platzen könne.

Das Theaterstück ist eng angelehnt an die Buchvorlage und ebenso humorvoll aufbereitet. Genauso bekommt das Publikum neben vielen spannenden Geschichten auch viel Grund zum Lachen geboten. Und glücklicherweise hat auch wenigstens das Theater ein paar Fotos gemacht und an mich übermittelt.